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Namaste, Masala und Ganesha – Verrücktes Indien

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Mehr als zwei Monate ist es jetzt her, da machte ich mich auf den Weg Richtung Frankfurt Flughafen, mit jeder Menge langen, luftigen Hosen, aber vor allem mit jeder Menge Angst im Gepäck. Wie finde ich meine Reisegruppe? Mag ich meine Reisegruppe? Und vor allem: mag meine Reisegruppe mich?

Wer mich kennt, weiß das sowohl mein Kreislauf, als auch mein Nervenzusammenhalt alles andere als stabil ist, ob Indien da wirklich eine gute Idee war? Diese Frage stellte ich mir leider etwas zu spät, denn als ich eingequetscht auf meinem Fensterplatz saß und die Flugbegleiterin mich mit gequältem Lächeln aufforderte, doch nun endlich meinen Sicherheitsgurt zu schließen, war der Klick den ich zwei Monate zuvor auf der Internetseite von Berge Und Meer betätigte, auch nicht mehr rückgängig zu machen.

Da saß ich also im Flieger, ganz alleine, ohne irgendeinen Menschen zu kennen und hob ab. Und wie wir abhoben, das Ruckeln schien erst gar nicht mehr aufzuhören, und ich merkte, dass auch mein Magen offensichtlich nicht allzu stabil zu sein schien. Nach einigen Minuten war das Ruckeln aber zum Glück zuende und ich konnte mich vom Sicherheitsgurt befreien. Den restlichen Flug wurde ich von Matthias Schweighöfer und Luke Skywalker begleitet, zum Ende hin leider auch von ein paar Panikattacken, die der Flugbegleiter (falls Sie das lesen, ich verdanke Ihnen sehr viel!) zum Glück mehr oder weniger besänftigen konnte.

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Völlig verheult aber in erster Linie erleichtert stieg ich also aus dem Flugzeug in die heiß-feuchte, indische Luft, um mich auf die Suche nach meinem Gepäck und den anderen Reisenden zu machen. Diese waren glücklicherweise wirklich schnell gefunden, ein paar Euros wirklich schnell getauscht und ich wirklich schnell unfassbar müde. Vom Flughafen ging es dann auch fix ins Hotel und nach zwei Stunden Schlaf, durften wir alle erfahren, wie laut und verrückt Indien wirklich ist.

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Alles war so lebendig, und ich fühlte mich so lebendig. Die Straßen waren voller Menschen die Obst verkauften, handelten und angsteinflößend durcheinander fuhren. An die Fahrweise meiner Busfahrer habe ich mich dann aber doch schneller gewöhnt, als ich es erwartet hatte. Vielleicht liegt das aber auch an der Fahrweise meines Papas (sorry Papsi).

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Von da an bis zum Ende der zweiwöchigen Reise war es eine emotionale Achterbahnfahrt. Mal waren es Freudentränen, weil ich einfach nicht darüber hinweg kam, wie unglaublich die Natur sein kann. Manchmal waren es aber auch Tränen der Verzweiflung, wenn man nach einem langen Tag, inmitten von Armut, sein Zimmer im Hotel erreicht und sein Gepäck bis vor die Tür getragen bekommt. Warum habe ich so ein Glück? Warum bin ich die jenige, die dieses so fremde und wunderschöne Land mit Staunen bewundern darf, und nicht bei den mageren Kindern am Straßenrand sitzt? Warum?

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Natürlich darf nicht vergessen werden, dass dort eine komplett andere Kultur herrscht. Meine Haut ist sehr hell, ich habe Sommersprossen und hellbraune Haare. Grund genug also, um Babys auf mich zu setzten und zu fotografieren, oder „Can we please take a photo“ zu fragen. Was anfangs ziemlich lustig und vielleicht auch etwas schmeichelnd ist, habe ich irgendwann als nervig und aufdringlich empfunden. (Wobei erwähnt werden muss, dass meistens auf eine freundliche Art gefragt wurde.) Ständig wird man von fremden Menschen berührt, die „unauffällig“ im Vorbeigehen, vor allem auf vollen Marktplätzen, ihre Hand an deinen Rücken streichen. Auf die Dauer ist das kein schönes Gefühl. Auch aufdringliche Verkäufer habe ich zu Beginn der Reise immer lächelnd (und dadurch meistens erfolglos) versucht abzuwimmeln, man gewöhnt sich leider im Laufe der Zeit eine bestimmteren, manchmal sogar ruppigeren Umgang an.

 

Die letzten zwei Tage war ich nur noch reizüberflutet. Aus der einen Ecke kam der Duft der Gewürze, aus der anderen roch ich Kuhmist. Das Hupen der Tuktuks und das ewige Zerren der Verkäufer. Und vor allem: die Höllen Temperaturen. In der Monsunzeit Indien zu bereisen, war eine meine schwächeren Ideen. (Deshalb war die Reise wohl so günstig)

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Aber Indien hat mich überrascht, in so vielen Facetten. Es ist mit Abstand das schönste Reiseziel, das ich je in meinem Leben erreicht habe. Die Farben, die Menschen, die Kultur! Der Hinduismus hat mich mehr als nur interessiert und ich lese noch immer gerne in diesem Themenbereich. Ich bin mir sicher, dass ich noch viel Reisen werde in meinem Leben, aber Indien wird mit Sicherheit eines meiner absoluten Lieblingsländer bleiben. Seit ich denken kann, wollte ich den Taj Mahal sehen, ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Im Nachhinein fühlt sich das alles so unwirklich an.

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Ich komme wieder, versprochen!

 

Indien hat mir viel gebracht.

Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die mir die zwei Wochen noch schöner gemacht haben und mir noch mehr Lachen ins Gesicht gezaubert haben.

Ich habe mir selbst vor Augen gebracht, dass ich alles alleine schaffen kann. Dass ich selbst jemand bin und dass ich niemanden brauche, um vollständig zu sein. Ich kann alleine die Welt erkunden!

Ich weiß das Leben zu schätzen, so klischee-belegt das auch nun klingen mag, ich weiß die Möglichkeiten, die ich durch meine persönliche Position bekommen habe, zu würdigen – und ich werde sie nutzen.

Ich brauch all den Luxus nicht. Nach meiner Rückkehr ist erstmal mein halber Kleiderschrank und jede Menge Altlast aus meinem Zimmer geflogen. Ich möchte minimalistischer sein.

Indien hat mir so vieles gezeigt, auch wenn ich nun die nächsten vier Jahre wohlmöglich kein Curry mehr essen kann.

Namaste, eure Paula

 

 

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